Falter des Naturschutzgebietes Struffelt
Qualitätsindikatoren einer Mittelgebirgsheide
Am 17. April 2026 fand die Veranstaltung „Falter des Naturschutzgebietes Struffelt – Qualitätsindikatoren einer Mittelgebirgsheide“ des Bildungsprogramms der Natur- und Umweltakademie NRW (NUA) statt. Die von 32 Teilnehmern aus ganz NRW und sogar dem benachbarten niederländischen Limburg besuchte Veranstaltung wurde organisiert von der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt e.V. NRW (LNU), und zwar vom Heimatverein Rott als örtlichem Mitgliedsverein der LNU. Im Mittelpunkt stand die Falterwelt des nahegelegenen NSG Struffelt, einer Mittelgebirgsheide in der Nordeifel.

Das Tagesprogramm startete mit zwei Vorträgen am Vormittag, denen sich am Nachmittag eine Exkursion zum Struffelt anschloss. Nach einem einführenden Referat zum Charakter der Trocken- und auch Feuchtheide des Gebiets seitens Daniel Lück als wissenschaftlichem Mitarbeiter der Biologischen Station der Städteregion Aachen stellte Dr. Wolfgang Vorbrüggen von der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e. V. die mehrjährigen Ergebnisse seiner Untersuchungen zum Artenspektrum der Großschmetterlinge, und zwar der Tag- und Nachtfalter des Struffelt, und ihre exemplarische Bedeutung für NRW in einem bebilderten ppt-Vortrag dar. So konnte er im Gebiet seit seiner Ausweisung als NSG über 310 Arten von Großschmetterlingen, und zwar zu ca. 95 % Nachtfalterarten, nachweisen.
Knapp ein Viertel der Arten stehen auf der Roten Liste NRW der gefährdeten Schmetterlinge. Besonders in den Heideflächen des Struffelt ließen sich vom Aussterben bedrohte Schmetterlinge in großer Anzahl nachweisen. Der faunistische Wert einer Heide wird nicht nur von dessen Quantität, sondern auch von der Anzahl heidespezifischer Arten bestimmt. „Dies belegt die hohe ökologische Qualität des Struffelt“ resümierte Vorbrüggen. Er widerlegte das Vorurteil, dass Nachtfalter nur „graue Motten“ wären, indem er anhand von Fotos ihre Farbenpracht veranschaulichte. Neben der bereits guten Pflege der Heideflächen wies er daraufhin, dass die gute Verzahnung und die weichen Übergänge zwischen den Heideflächen, Grasflächen und dem Heidelbeer-Birkenwald lebenswichtige Entwicklungsbereiche darstellen. Mithin gilt es nicht, einzelnen Falterarten einen Schutzstatus zu verleihen, sondern ihre Biotope zu schützen und weiterzuentwickeln, womit der Referent für die anwesenden Vertreter des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung des NSG Struffelt lieferte. So bietet die im Augenblick noch mit Fichten bestockte südöstliche Erweiterungsfläche die Möglichkeit, über eine Brücke verschiedener Weichhölzer, wie Birken und Weiden, Nahrungs- und Entwicklungshabitate diverser Falterarten und einen Übergang zu den bestehenden lichten Beständen alter Eichen und Buchen zu schaffen, um den o.g. Verzahnungseffekt herzustellen. Während W. Vorbrüggen schon in seinem vormittäglichen Referat verschiedene Nachweismethoden und Qualitätsanalysen erläuterte, veranschaulichte er dieses Wissen in der Exkursion am Nachmittag an anschaulichen Beispielen in verschiedenen Biotopstrukturen, wobei sich auch Möglichkeiten eröffneten, verschiedene Arten im Larvenstadium zu entdecken. Abschließend wertete der Referent den hier praktizierten jahrelangen amtlichen und ehrenamtlichen Artenschutz als leuchtendes Beispiel, der über die Grenzen des Struffelt hinauswirkt.